Gehörlosenkultur

Von vielen Hörenden wird Gehörlosigkeit in erster Linie als Defizit betrachtet. Die meisten Gehörlosen sehen sich dagegen nicht als Behinderte, sondern als Mitglieder einer sprachlichen und kulturellen Minderheit. Die Gehörlosengemeinschaft, die in Österreich etwa 10.000 Personen umfasst, definiert sich über die Gebärdensprache sowie über gemeinsame Interessen, Werte und Traditionen. Behindert sind Gehörlose nur in einem Punkt: in der Kommunikation mit Hörenden, die ihre Sprache, die Gebärdensprache, nicht beherrschen.

Gebärdensprache

Bei Gebärdensprachen handelt es sich um vollwertige Sprachen mit spezifischen linguistischen Strukturen, die sowohl hinsichtlich ihrer grammatischen Komplexität als auch bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit der Lautsprache ebenbürtig sind.

Da Gebärdensprachen ebenso wie Lautsprachen gewachsen sind, gibt es keine „universale Gebärdensprache“. Gebärdensprachen weisen vielmehr nationale, regionale und auch sozioelektale Unterschiede auf. Das Kommunikationsmittel österreichischer Gehörloser ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) mit all ihren regionalen Varianten. Sie ist seit 6. Juli 2005 in der österreichischen Bundesverfassung verankert.