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des Landesverbandes der Gehörlosenvereine in OÖ

Bildungszentrum der Gebärdensprachgemeinschaft

Der Landesverband der Gehörlosenvereine in OÖ ist ein gemeinnütziger, nicht gewinnorientierter Verein, der durch Statuten organisiert ist. Er wurde 1938 gegründet und ist der Dachverband der Gehörlosenvereine in OÖ. Seine Aufgaben umfassen die soziale, kulturelle und geistige Förderung  von gehörlosen Menschen in OÖ, die bestmögliche Interessensvertretung dieser Gruppe auf allen Ebenen, die wissenschaftliche Erforschung der Gebärdensprache in Zusammenarbeit mit einer Linguistin und die Bewusstseinsbildung über gehörlose Menschen und deren Muttersprache, der Gebärdensprache, in der Öffentlichkeit.

Ausgangssituation:

Da die Gehörlosigkeit eine unsichtbare und leider auch uneinfühlbare Behinderung darstellt, werden gehörlose Menschen in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und folglich ihre speziellen behinderungsbezogenen Bedürfnisse nicht respektiert. Aus diesem Missverständnis heraus resultiert eine falsche Beurteilung ihrer Fähigkeiten und auch ihrer Persönlichkeit, was sich im Alltags- und auch im Arbeitsleben als äußerst diskriminierend erweist.

Selbst in Fachkreisen herrscht massiver Informationsmangel in jenen Fragen, die speziell Gehörlose betreffen, deren Verständnis jedoch für eine effektive soziale Integrationshilfe und Begleitung unentbehrlich ist wie etwa gehörlosengerechte Umgangsformen, Kommunikationsstrategien, bauliche Maßnahmen, Wohnungseinrichtung und die Geschichte der Gehörlosen, ihre Muttersprache, die Gebärdensprache, ihre Identität, die daraus erwächst sowie ihr Status als kulturelle und sprachliche Minderheit und vor allem auch, was Gehörlosigkeit im Alltag und im Arbeitsleben tatsächlich bedeutet.

Unsere Aufgaben und Ziele:

Um diesem gravierenden Informationsdefizit sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen entgegenzuwirken und folglich eine Erhöhung der Lebensqualität gehörloser Menschen  zu erzielen, werden im Bildungszentrum der Gebärdensprachgemeinschaft folgende Bildungsveranstaltungen angeboten:

Für Fachpersonal (ÄrztInnen, LogopädInnen, Pflegepersonal, GebärdensprachdolmetscherInnen, SozialarbeiterInnen, ArbeitsassistentInnen, PädagogInnen und BeamtInnen), Angehörige von gehörlosen Personen und sonstige Interessierte:

a)    Gebärdensprachkurse unter der Leitung von ausgebildeten gehörlosen KursleiterInnen

(Native Speakern):

Anfängerkurse „Modul 1“ (Einführung in die Gebärdensprache inkl. Nonverbale Kommunikation, Grundlagen der Linguistik, Soziologie, Gehörlosenkultur, Gehörlosengeschichte)

Kurse für Fortgeschrittene (Modul 2 bis 6) sowie bikulturelles Kommunikationstraining zu Zwecken der praktischen Übung und Umsetzung des Erlernten für die KursteilnehmerInnen.

Die gehörlosen GebärdensprachkursleiterInnen werden im Bildungszentrum in enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit einer Gebärdensprachlinguistin auf Basis eines ständig aktualisierten und adaptierten Kurssystems ausgebildet und sind verpflichtet, sich auch nach Abschluss ihrer Ausbildung beständig weiterzubilden, um stets auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse im Bereich der Gebärdensprache zu sein und somit qualitativ hochwertige Leistungen erbringen zu können.

Wir legen besonderen Wert auf fachliche und soziale Kompetenz, Pünktlichkeit, Vertrauen, Genauigkeit und auf vorbildliches und untadeliges Verhalten.

Wir helfen und ergänzen einander und gehen auf allen Ebenen ehrlich, freundlich und offen miteinander um, wobei auch der aktiven und passiven Kritikfähigkeit ein besonderer Stellenwert zukommt.

Unsere ausgebildeten gehörlosen KursleiterInnen unterrichten nicht nur in den Kursen in unserem Bildungszentrum, sondern werden auch an andere Bildungseinrichtungen und Akademien in Oberösterreich entsandt. Sie halten Kurse an Berufsförderungsinstituten, an Volkshochschulen, an Schulen und weiterführenden Bildungseinrichtungen sowie nach speziell zugeschnittenen Angeboten für Personen oder Berufsgruppen, in deren beruflichem Alltag die Gebärdensprache Verwendung findet.

b)    Vorträge und Workshops über Gehörlosenthemen im Rahmen der Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, auch an Schulen im Rahmen von Projektarbeiten sowie sonstigen Bildungs- und Sozialeinrichtungen.

c)    Workshops für GebärdensprachdolmetscherInnen und SozialarbeiterInnen:

Wie jede andere Sprache unterliegt auch die Gebärdensprache einer ständigen Weiterentwicklung. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und die Qualität der gebotenen Dienste stetig verbessern zu können, ist auch für aktive GebärdensprachdolmetscherInnen und im Gehörlosenbereich beschäftigte SozialarbeiterInnen kontinuierliche Weiterbildung unbedingt erforderlich. Im Rahmen unserer Workshops werden aktuelle Problemstellungen erörtert, wie zum Beispiel die Erstellung eines Wochenend-Einsatzplanes sowie gebärdensprachliche Themen und Methoden erarbeitet (Erweiterung des gebärdensprachlichen Wortschatzes, Abklärung von Fachbegriffen, Beurteilung des gebärdensprachlichen Niveaus der DolmetscherInnen und SozialarbeiterInnen, Übersetzungen vom Deutschen in die Gebärdensprache und Voicen (Rückübersetzen von der Gebärdensprache in die deutsche Lautsprache, Video-Arbeit, etc.)

d)    Abhaltung von Informationsveranstaltungen und Workshops für Hörende und Gehörlose:

Im Rahmen des Oö. Kommunikationsforums werden laufend Veranstaltungen zu diversen Themen (Gehörlosenthemen, aktuelle Fragen, etc.) abgehalten. Diese Veranstaltungen dienen sowohl gehörlosen Menschen, um besser informiert zu sein, als auch hörenden Personen, die mit Gehörlosen in Kontakt treten möchten, um z. B. ihre im Kurs erworbenen Gebärdensprachkenntnisse zu üben und auszubauen oder einfach, um mehr über Gehörlose zu erfahren. Dieses Forum bietet Informationsaustausch, regt zu Zusammenarbeit zwischen hörenden und gehörlosen Menschen an und ist ein wichtiger Schritt in Richtung Integration.

Speziell für gehörlose Zielgruppen werden besondere Workshops angeboten, wie z. B. das Identitätsbildungsseminar, wo Strategien zur Bewältigung von Kommunikationsbarrieren und zum Aufbau eines positiven Selbstbildes vermittelt werden. Ein positives Selbstbild ist für die Lebensbewältigung mit einer Sinnesbehinderung im Alltag und insbesondere auch für die erfolgreiche Behauptung im Berufsleben von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Weiters gibt es Mutter-Kind-Veranstaltungen und –Weiterbildungen wie z.B. Workshops und Seminarreihen, CODA (= Children Of Deaf Adults)-Veranstaltungen mit Fachvorträgen, Angebote für SeniorInnen, regelmäßige Angebote zum Austausch und zur Weiterbildung für taubblinde Menschen (Deaf Blind Cooperation), ein Beratungsangebot für gehörlose Jugendliche (Deaf Youth Service) etc.

Unsere Kontakte:

Unseren Partnern in der Gehörlosenarbeit begegnen wir freundlich und aufgeschlossen, damit sie zur Überzeugung gelangen, dass es sich bei unseren MitarbeiterInnen um fachlich und menschlich kompetente AnsprechpartnerInnen handelt. Auf politischer Ebene bemühen wir uns um rasche, fachkundige Information und Beratung.

Unser eigenes Engagement:

Wir sind ständig bestrebt, unseren Erfahrungshorizont zu erweitern. Dies geschieht unter anderem durch:

§  fortlaufende Aus- und Weiterbildungen.

§  regen Austausch mit anderen Gehörlosenorganisationen auf nationaler (Österreichischer Gehörlosenbund mit 6 Landesverbänden und 25 Mitgliedsvereinen), europäischer (European Union of the Deaf, Brüssel) und internationaler Ebene (World Federation of the Deaf, Finnland), wobei diese Kooperationspartner ihrerseits mit der jeweiligen Behörde – der Österreichischen Bundesregierung, der Kommission der Europäischen Union und den Vereinten Nationen (UN) - in Verbindung stehen.

§  Exkursionen zu einschlägigen Einrichtungen wie Forschungszentren, Universitäten und Ausbildungsstätten mit gebärdensprachlicher Orientierung bzw. gebärdensprachlichen Schwerpunkten.

§  Teilnahme an nationalen und internationalen Fachveranstaltungen und Kongressen mit dem Ziel des fachlichen Inputs, der persönlichen Weiterentwicklung, der Knüpfung wichtiger persönliche Kontakte sowie des Aufbaus eines funktionierenden Netzwerkes.

Linz, Oktober 2015